Kleine Ursache Große Wirkung

Es scheint eine Kleinigkeit zu sein. Eine aufgerauchte Zigarettenkippe wird aus einem fahrenden Auto geworfen, am Strand im Sand vergraben oder in einen Regenwasserablauf geworfen. Aus den Augen, aus dem Sinn – denkt der Raucher.

Eine kleine unterschätzte Bedrohung

Laut einem Artikel im National Geografic vom August 2019 * werden jährlich ca. 6,5 Billionen Zigaretten verkauft – das entspricht 18 Milliarden Zigaretten pro Tag. Nachdem der größte Teil des Tabaks „konsumiert“ wurde, passiert es in mehr als der Hälfte der Fälle (bis zu 2/3), dass die Zigarettenkippe elegant und gedankenverloren in die Umwelt geschnippst wird. Wie oft sehe ich vor mir ein Auto fahren, aus dessen Fenster plötzlich eine Zigarettenkippe fliegt.

Ja, dann liegt diese Zigarettenkippe, die aus dem Filter und einem Rest Tabak besteht, auf der Straße, im Wald, auf dem Gehweg oder am Strand. Was ist daran so schlimm? Das habe ich mich auch gefragt und die Zigarette eher als ein reines Müllproblem gesehen. So einfach ist es jedoch nicht.

Die so entsorgten Filter zerfallen erst nach Jahren oder Jahrzehnten und sondern während dieser Zeit nach und nach ihre giftige Fracht ab. Die meisten Zigaretten besitzen einen Filter aus Celluloseazetat, der Schadstoffe während des Rauchens zurückhalten und den Rauch milder machen soll. Celluloseazetat ist eine Sammelbezeichnung für die Essigsäureester der Cellulose und zählt zu den ältesten thermoplastischen Kunststoffen. Celluloseazetat basiert zwar auf einem Naturprodukt, doch durch die Weiterverarbeitung entsteht ein Kunststoff, der sich nur schwer zersetzt und in erster Linie mechanisch zerkleinert wird. Das Mikroplastik (also doch wieder Plastik, nur schlimmer) wird zusammen mit den anhaftenden Schadstoffen von Tieren aufgenommen und reichert sich in der Nahrungskette an. Laut »NBC News« wurden Zigarettenrückstände in 70 Prozent aller untersuchten Seevögel und einem Drittel der Meeresschildkröten nachgewiesen.**

Giftig während und nach dem „Genuss“

Mit ihren vielfältigen Toxinen kann eine einzige Kippe 40 bis 60 Liter reines, sauberes Grundwasser belasten und verunreinigen. Laut verschiedener Studien enthalten die „Kippen“ bis zu 7000 verschiedene Stoffe, unter diesen befinden sich auch als giftig eingestufte Stoffe, wie z.B. Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Das bekannteste Gift, das man am ehesten darin vermutet ist Nikotin, ein Nervengift.

„Aus den Filtern ausgewaschen landet es letztendlich in Seen, in Flüssen, im Meer. Die Folgen sind vielfach wissenschaftlich beschrieben. Die Auswirkungen auf Wasserlebewesen reichen von Genveränderungen und Verhaltensänderungen bis hin zum Tod. Aufgelöst in einem Liter Wasser, tötet eine einzige Zigarette nach vier Tagen Fische, wie Forscher der Universität San Diego gezeigt haben. In den Fischen können sich manche Gifte sogar ansammeln und kommen so in die Nahrungskette.“Quelle: WWF

Verbreitung wie eine Seuche

Inzwischen findet man Zigarettenstummel überall dort, wo sich Menschen aufhalten und auch an abgelegenen Orten. Sie wurden sogar in dem Magen-Darm-Trakt von Walen, Vögeln, Meeresschildkröten, Fischen und Landsäugetieren gefunden, die weit entfernt von der Zivilisation leben.

Die Schädlichkeit des Tabakanbaus

Nicht erst nach dem Rauchen wird die Zigarette zu einem Umweltproblem. Bereits der Anbau von Tabak ist aufgrund dessen, dass das Geschäft mit den Zigaretten sehr lohnend ist, ein gewaltiger Industriezweig und auch aus Sicht der Umwelt problematisch. Ich habe vor kurzem auf einer „Kippenkonferenz“ die vom Verein „Naturfreunde Deutschlands Landesverband Schleswig Holstein“ in Kiel veranstaltet wurde, interessante Informationen dazu erhalten.

Für die Produktion von sechs Billionen Zigaretten im Jahr 2014 sind laut einem Bericht der WHO 32,4 Millionen Tonnen grüner Tabak auf vier Millionen Hektar Land angebaut worden. Dafür wurden über 22 Mio Tonnen Wasser verbraucht. Der größte Teil des Wasserverbrauchs entsteht während des Anbaus. Das gebrauchte Wasser wird aus Oberflächen- oder Grundwasser gewonnen und nicht wieder dorthin zurückgeführt, wo es entnommen wurde und führt daher zu einer Wasserknappheit. Für den Tabak-Anbau werden jährlich riesige Flächen Wald gerodet. Aber auch zum Trocknen der Tabakblätter werden große Flächen benötigt. Eine Aufforstung der Wälder erfolgt nur in geringem Umfang.***

Da Tabak eine empfindliche und hochgezüchtete Pflanze ist, die den Boden auslaugt, sind hohe Mengen an Mineraldüngern, Nitrat und Pestiziden notwendig, um entsprechende Erträge ernten zu können. Diese reichern sich in der Tabakpflanze an und erhöhen den Gehalt an ungesunden Stoffen im fertigen Tabak.

Die größten Anbauflächen befinden sich in China, Brasilien und Indien, aber auch in Afrika wird Tabak auf großen Flächen angebaut. Dafür können hier weniger Lebensmittel angebaut werden.

Möglichkeiten zur Vermeidung von Kippen in der Umwelt

Inzwischen gibt es viele verschieden Ansätze, wie die Unmengen an Zigarettenkippen gar nicht erst in der Umwelt landen können. Das Einfachste wäre, wenn die Menschen nicht mehr rauchen würden. Da das aber auf keinen Fall von Heute auf Morgen passieren wird, muss jeder Raucher die Verantwortung für seine qualmenden Hinterlassenschaften übernehmen. Eine Möglichkeit ist ein Taschenaschenbecher, der einen fehlend Mülleimer ersetzt, bzw. dem Raucher die 10 m bis zum nächsten Mülleimer erspart. Es gibt diverse Modelle und Möglichkeiten, wie ich auf der oben erwähnten „Kippenkonferenz“ sehen konnte. Man kann aber auch einfach ein leeres Marmeladenglas, ob nun mit Sand gefüllt oder leer, nutzen. Mit Wasser sollte es nicht gefüllt werden, da dann die Giftstoffe vor der Entsorgung bereits im Wasser gelöst sind und dieses Wasser landet dann auch im Abwasser.

Es gibt aber auch tolle junge Menschen vom Landesverein der Schleswig Holsteiner NaturFreunde, die ein sehr interessantes Projekt gestartet haben. Sie haben eine Info-Tafel entworfen, auf der darauf hingewiesen wird, welche Eigenschaften Zigarettenkippen haben. Gleichzeitig hängen an der Informationstafel kleine Blechgefäße aus Blechdosen, die der Raucher mit an den Strand nehmen kann, um die Überbleibsel seines Rauchens zu entsorgen. Verlässt er den Strand, leert er das Eimerchen in den bereitgestellten Mülleimer und hängt ihn wieder an die Info-Tafel. Diese Info-Tafeln stehen z.B. schon am Falckensteiner Strand in Kiel oder in der Nähe von Flensburg. Wer privat oder als Gemeinde Interesse daran hat, so eine Tafel in seinem Umfeld aufzustellen, kann sich unter naturfreunde@naturfreunde-sh.de melden.

Wenn das Kind jedoch in den Brunnen, sprich, die Zigarettenkippe auf den Boden gefallen ist, gibt es nur noch eine sinnvolle Möglichkeit: Sie möglichst vor dem nächsten Regen wieder einzusammeln, damit die schädlichen Stoffe nicht ausgespült werden und ins Grundwasser gelangen.

Unter Berücksichtigung aller Aspekte des Rauchens stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, weiter zu rauchen. Diese Entscheidung liegt jedoch bei jedem Raucher selbst. Wenn jedoch unsere Umwelt zu Schaden kommt, geht es uns alle an.

Autorin: Bye Bye Plastik „Mover“ Petra Beck aus Kiel, Plastikfrei leben