Unübersehbare Problematik

Die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll ist ein Thema, über das heute niemand mehr hinwegsehen kann.
Die Folgen begegnen uns überall. Regelmäßig werden an den Stränden der Welt Plastikteile unterschiedlichster Herkunft und in unterschiedlichsten Zuständen angespült. Doch werden nicht nur diese sichtbaren Überreste unseres Umgangs mit Kunststoffabfällen, sondern auch das, was nahezu unsichtbar ist, zu einem Problem,
welches nicht nur Menschen betrifft, die direkt am Meer leben.

Die Mengen, von denen wir hier sprechen sind unvorstellbar groß. Jährlich gelangen über 10 Millionen Tonnen Plastik über die verschiedensten Wege in die Ozeane und das problematische daran ist, dass es immer noch nicht weniger wird, sondern gerade durch die Situation der letzten zwei Jahre mehr geworden ist.

10 Mio. Tonnen Plastikmüll – wie kann man sich das vorstellen? Wenn man damit einen Güterzug füllen würde, dessen Wagons ca. 14 m lang sind und die jeweils eine Tonne gepressten Plastikmüll aufnehmen können, ergibt das einen Güterzug mit einer Länge von ca. 140 000 km. Diesen könnte man 3 mal um die Erde herumwickeln.

Das Problem ist, dass sich die Menge des im Meer enthaltenen Plastiks durch den fortlaufenden Eintrag summiert. Denn Plastik hat die Eigenschaft, uns lange erhalten zu bleiben. Es verändert sich lediglich das äußere Erscheinungsbild. Plastik verschwindet nicht von der Erdoberfläche. Es zerfällt durch Sonne, Wind, Reibung und Wasser in mikroskopisch kleine Teile, die erhalten bleiben – und zwar für immer.

Die Auswirkungen betreffen alle

Welche Auswirkungen das hat, zeigt sich bereits jetzt in ersten Untersuchungen. Mehr als 1 Million Seevögel und 100.000 Meeressäugetiere sterben jedes Jahr durch Plastik im Meer.
Einerseits können sich Tiere in dem Plastik verfangen, andererseits Plastikteile aufnehmen. Das Ergebnis ist gleich. Die Tiere versterben.
Ein Plastikteil, wie z.B. eine Plastiktüte, kann sogar mehrere Tiere töten. Denn wenn ein Tier aufgrund einer Plastiktüte verstirbt, wird diese nach dem Verwesen des Tieres wieder freigesetzt und kann weitere Tiere töten.
Es wurden Mikroplastikteile in der Arktis gefunden, also in Gebieten, in denen keine Menschen leben. Plastikpartikel finden sich im Boden und sogar in der Luft. Das bedeutet, wir atmen sie ein!
Welche konkreten Auswirkungen Mikroplastik auf dem menschlichen Körper hat, ist noch nicht ausreichend untersucht worden. Es kann jedoch nicht gut für den Organismus sein.

Mitgefangen heißt Mitgehangen

Das Sprichwort bedeutet soviel wie: Wenn man an etwas beteiligt ist, muss man im Falle des Scheiterns die Konsequenzen mittragen. So ist es auch mit der Plastikflut, die uns allen zum Verhängnis werden könnte.

Der Eintrag von Plastik in die Meere erfolgt nicht nur aus den küstennahen Gebieten. Jeder Mensch auf der Erde trägt dazu bei, dass Plastik in die Meere gelangt. Dies hängt einerseits mit dem Wasserkreislauf zusammen. Egal wo Plastik unsachgemäß entsorgt wird, gelangen die Überreste durch Regen und oder auch den Wind am Ende in irgendein Gewässer. Dies kann ein Fluss, ein See oder auch das Grundwasser sein (wenn das Plastikteil bereits zu Mikroplastik zerfallen ist).

Selbst in den Abfällen von Kläranlagen befinden sich Plastikteilchen, die als Klärschlamm teilweise auf Äcker ausgebracht werden. Untersuchungen zeigen, dass Mikroplastik bereits in verschiedenen Obst und Gemüsesorten nachgewiesen werden kann.

Andererseits trägt jeder durch die Erzeugung von übermäßigem Plastikabfall, z.B. aus Einmalverpackungen, dazu bei, dass immer noch Müllexporte stattfinden, bei denen eine sachgerechte Müllentsorgung nicht immer gewährleistet werden kann.

Neben den Effekten auf Wildtiere, die, wie schon beschrieben wurde, daran versterben können, landet ein Teil des menschengemachten Mikroplastiks am Ende wieder auf unseren Tellern. Dies kann der leckere Fisch sein, den wir essen oder das Obst bzw. Gemüse.

Hauptquellen von Plastik im Meer

Das Team vom Outdoor- und Wassersport-Magazin „BeyondSurfing“ hat die aktuellsten Quellen zum Thema Plastikbelastung der Meere ausgewertet. Dabei kam heraus, welche Haupteintragsquellen für Plastik ins Meer unabhängig einer Bewertung es gibt:

  • Abgelegter Müll in Städten und Gemeinden wie z.B. Coffee to Go Becher oder Zigarettenkippen
  • Abwasserbedingte Verunreinigungen wie z.B. Mikroplastik aus Duschgels oder Peelingprodukten
  • Über Bord gegangenes Versandmaterial wie z.B. Container von havarierten Containerschiffen
  • Liegen gelassener Müll an Stränden wie z.B. leere Sonnencremetuben oder Plastiktüten
  • Schlecht verwaltete Mülltonnen und Mülldeponien damit sind Windverwehungen von unabgedeckten Mülldeponien oder von Vögeln aus Mülltonnen geholter Müll  gemeint
  • Schlecht gemanagte Industrie, damit sind unsachgemäße Abwassereinleitungen in Gewässer gemeint
  • Abfälle von der Fischerei vor allem Reste der Fischernetze, Bojen und Fender

Anhand dieser Aufzählung ist erkennbar, dass es egal ist, ob ein Mensch direkt am Meer oder in den Bergen lebt. Jeder kann durch sein Verhalten mehr oder weniger dazu beitragen, die Mengen an Plastikmüll zu beeinflussen.

Was tun?

Da stellt sich auch gleich die große Frage. Was kann ein einzelner Mensch tun, wenn es doch vielen anderen Menschen scheinbar egal ist, dass immer mehr Plastik in die Welt kommt und Schaden anrichtet.

Fakt ist: Es ist vielen Menschen schon lange nicht mehr egal und es gehen unwahrscheinlich viele Menschen jeden Tag kleine Schritte auf dem Weg zu weniger Plastik. Denn die effektivste Lösung ist, das Inverkehrbringen von Plastikprodukten mit einer geringen Laufzeit, wie z.B. Plastikbechern oder Plastikverpackungen, zu verhindern oder soweit möglich einzuschränken.

Darin liegt gerade die Stärke des Einzelnen. Wenn z.B. in Deutschland nur 40 Mio.. Menschen täglich ein Stück Plastik vermeiden oder beim Spaziergang aus der Umwelt mit nach Hause nehmen, sind das 40 Mio. Stücke Plastik, die nicht ins Meer gelangen können oder an denen sich kein Tier verletzen kann. Nehmen wir an, dieses Plastikteil wiegt 10 g. Das ergibt die unglaubliche Menge von 400 Tonnen – am Tag! Jetzt sage nochmal jemand, das würde nichts bringen.

Einen wichtigen Gedanken sollten wir immer im Kopf behalten. Perfektionismus hilft uns auf diesem Weg nicht wirklich weiter. Es sind die vielen unperfekten Menschen, die täglich kleine Dinge verändern. Die damit die Menschen in ihrer Umwelt zum Nachdenken und Mitmachen anregen.

Autorin: Bye Bye Plastik „Mover“ Petra Beck aus Kiel, Plastikfrei leben