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Die 7 Top-Handlungsempfehlungen für Kommunen zur Reduktion von Einwegplastik

By 18. Februar 2021 März 26th, 2021 No Comments

Die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele haben das Ziel, den Wandel für eine bessere Zukunft zu gestalten. Dazu gehört es, den nachhaltigen Konsum zu begünstigen (Ziel 12) und das Leben unter Wasser zu bewahren (Ziel 14).

Dafür benötigen wir einen neuen Gemeinsinn mit Esprit: Politik, Gewerbetreibende, Privatleute und Kommunen werden aufgefordert zusammen zu agieren, um in der Praxis Mehrweg zu fördern und Einwegplastik (auch Bio-Plastik) zu reduzieren, Plastikmüll aus der Natur zu entfernen und so das Leben der Meerestiere und unsere eigene Lebensgrundlage langfristig zu sichern.

Im dreiteiligen Online-Workshop-Reihe im November 2020 zum Thema „Kommunale Handlungsoptionen zur Vermeidung von Meeresmüll“ mit dem Umweltbundesamt (Runder Tisch Meeresmüll: www.muell-im-meer.de) hat Bye Bye Plastik Sylt erfahren, dass es viel mehr und auch pragmatischere Ansätze zur Vermeidung von Meeresmüll bedarf. Nur wenige Küstenorte wie Rostock oder Eckernförde bemühen sich Einwegplastikmüll zu bekämpfen und damit auch den landseitigen Eintrag an Plastikmüll ins Meer zu verringern.

Aus diesem Grunde hat Bye Bye Plastik Sylt 7 Top-Handlungsempfehlungen für Kommunen zur Reduktion von Einwegplastik entwickelt.

Unser Tipp für Kommunen: Setzen Sie 2021 ein bis drei dieser 7-Handlungsempfehlungen um!

1. Leitungswasser trinken fördern:

*In Behörden, Kindergärten, Schulen, Kliniken, Altenheimen, etc.

*Gastronomen über Möglichkeiten aufklären, aufbereitetes Leitungswasser (gekühlt, mit Sprudel) anbieten für eine Wasserpauschale, inkl. Refill. Hier werden wir noch Anbieter recherchieren, von den Wasser-Aufbereitungsanlagen, die auf Sylt in der Gastronomie bereits verwendet werden.

*Regelmäßige Berichterstattung dazu in der lokalen Presse

2. Aufklärungskampagne Mehrweg statt Einweg

*Mehrwegbechersysteme wie RECUP oder FairCup und auch z.B. REBOWL über die lokalen Unternehmerverbände anstoßen und konsequent verfolgen. Ab 2023 gibt es eine Bereitstellungspflicht von Mehrweg-Möglichkeiten von größeren Betrieben (über 80 m2 oder bei mehr als fünf Mitarbeitern).

*Belohnung ist ein guter Anreiz: Teilnahme am Mehrwegsystem bis zum bestimmten Zeitpunkt mit einer Presseaktion verbinden.

3. Anreiz schaffen Müll in der Natur, am Strand, am Fluss aufzusammeln, mit Hilfe von ansprechenden Strandmüllboxen. Mit pfiffigen Cartoons oder Slogans dafür werben. Gleichzeitig die Menschen durch Plakate motivieren weniger Einwegplastik zu verwenden: Denk an deine Trinkflasche für unterwegs (oder „Beachbottle“ nicht vergessen).

4. Orte, die vom Tourismus leben:

Autofreie Anreise belohnen durch

* z.B. Kooperation mit Fahrradverleihen, der Bahn, Schiffsgesellschaften, Busgesellschaften, kulturellen Einrichtungen etc. die einen Rabatt an den autofreien Kunden gewähren in Zusammenarbeit mit Vermietern von Ferienwohnungen und Hoteliers. Hier geht es u.a. um die Reduktion von Mikroplastik durch Reifenabrieb. Reifenabrieb ist der größte Produzent von Mikroplastik!

* Umweltfreundliche Kombiangebote fördern: Mit den „Fahrtziel Natur“-Angeboten, einer Kooperation der Deutschen Bahn AG und den bundesweit drei großen Umweltverbänden, ist bereits die An- und Abreise an die Nordsee klimafreundlich. Buchbar sind die Arrangements im Nationalpark Wattenmeer mit jeweils zwei oder drei Hotelübernachtungen und einem Naturerlebnis-Bausteinen über www.bahn.de.

5. Zigarettenstummel sind zahlenmäßig der meist weggeworfene Plastikmüll weltweit. Unsere Empfehlung gegen Kippenmüll und für die Sensibilisierung dafür:

*Abstimmaschenbecher (Holzplakat mit Plexiglasbox dran für die Kippenentsorgung) und Kippeninfos

*Kippenmüllbehälter mit Infotafel

*Strandmüllbox mit extra Hinweis für Zigarettenstummel

*Taschenascher ausgeben oder verkaufen

*Fotospots mit Kippenskulpturen oder fotogene smarte Themenwänden mit Hashtag, die zum Fotografieren einladen, um für die Kippenproblematik zu sensibilisieren

6. Aktion Umwelthelden für die Sensibilisierung und der aktiven Umweltsäuberung

*Müllsammelhelfer: sie sammeln zum Beispiel Kippen an Bushaltestellen oder Plastikmüll am Strand, im Wald oder neben Gehwegen ein und werden dafür entlohnt.

Angesprochen werden Vereine, Behindertenverbände, aber auch Schulklassen oder Kindergärten, die dann mit Gutscheinen entlohnt werden. Hier kann die Gemeinde dann Gutscheine z.B. Tierpark oder Schwimmbad kaufen. Unternehmen können natürlich auch Gutscheine spenden und sind ausdrücklich willkommen, sich mit ihren Firmen und Personal an den Cleanups zu beteiligen.

7. Gemeinden sollten einmal im Jahr für Schulen und Kindergärten Umweltaktionen anbieten durch Zusammenarbeit mit NGOs und Verbänden oder Vereinen.

*Recyclingmobil einladen www.mobil-recyceln.de

*Beach Cleanup veranstalten mit anschließenden Monitoring oder einem „Brand Audit“ (dazu ruft die globale Bewegung #BreakFreeFromPlastik auf: https://www.breakfreefromplastic.org/brandaudittoolkit/)

*Umweltaktionen wie Heide-Pflege-Aktionen

Kommunen haben viele Möglichkeiten das direkte Lebensumfeld der Menschen zu gestalten und sollen zukünftig mehr Bürgernähe herstellen durch die obengenannten Aktionen. Das Problem von Plastikeinträgen in die Natur ist nur gemeinsam mit der Bevölkerung zu lösen.